Freie Bahn für chinesische Züge
2019/07/18

Während sich der Handelskrieg zwischen den USA und China zuspitzt, kommt das chinesische Geschäft entlang der Neuen Seidenstraße Richtung Europa immer besser in Fahrt. Das bekräftigte Chad Chen aus dem Bereich Marketing/ Sales des staatlichen chinesischen Eisenbahn-Logistikunternehmens Yuxinou Supply Chain Management aus Chongqing gegenüber der DVZ. Die Transportmengen wachsen nach Chens Angaben kräftiger als zuvor, und seit Ende vergangenen Jahres sei ein „sehr steiler Anstieg" festzustellen.

Zwischen China und Europa über Russland seien in den ersten fünf Monaten 800 Güterzüge gefahren, schätzt Chen. „Die Saisonspitze kommt erst noch in der zweiten Jahreshälfte, zum Beispiel wegen des Chinesischen Neujahrsfestes", erklärt er. 2.500 Güterzüge sollen im Jahr 2019 zwischen den Kontinenten verkehren. Zum Vergleich: 2018 waren es 2.000 Züge, 2017 höchstens 700. Aus Chongqing werden Chen zufolge in westliche Richtung vor allem IT-Komponenten, Konsumartikel des täglichen Bedarfs, Kleidung, Autoteile oder Maschinen transportiert. Zurück nach China kämen die Züge mit „etwas weniger" Ladung, ab Russland seien das Holz und Agrarprodukte wie Sonnenblumenöl sowie Milch oder Fleisch.

Mehr Stopps entlang der Route

Yuxinou betreibt seit 2011 die älteste Belt-and-Road-Schienenverbindung zwischen China und Duisburg. Das langjährige Partnerunternehmen von Duisport bedient nicht nur den 10.261 km langen Bahnkorridor zwischen der 30-Mio.-Metropole Chongqing und dem deutschen Binnenhafen, sondern auch Hamburg, Rotterdam, Rom und Madrid sind an die Chongqing-Routen angebunden. Außerdem fährt Yuxinou mit Güterzügen entlang der Transsibirischen Eisenbahn oder auf anderen Strecken bis nach Moskau sowie durch Zentralasien.

Kritisiert wurde von Logistikern bislang, dass zentralasiatische Länder außer vom Infrastrukturausbau kaum von der Neuen Seidenstraße profitieren, weil die Züge auf halber Strecke zwischen China und Europa nicht stoppen. Inzwischen werden diese Märkte für Yuxinou aber immer wichtiger: „Derzeit gibt es vor allem in Kasachstan und Usbekistan eine große Nachfrage nach Fleisch und Agrarerzeugnissen wie Nüssen und Trockenfrüchten aus China, auch in Russland und Tadschikistan", berichtet Chen. Aus seiner Sicht profitieren zentralasiatische Länder demnach von der Belt-and-Road-Schienenverbindung.

Warten an den Grenzen

Die schnellste Schienentrasse nach Kasachstan führt von Chongqing über Khorgos/Altynkol nach Almaty und von dort weiter bis Aktau am Kaspischen Meer. Die durchschnittliche Transitzeit zwischen Chongqing und Almaty gibt Yuxinou mit fünf bis sieben Tagen an.

Indes verläuft die Europatrasse über den chinesisch-kasachischen Grenzübergang Alashankou/Dostyk, wo die Spurweite wechselt. Dabei kommt es zu Wartezeiten, die laut Chen allerdings kürzer sind als beim Umspuren im überlasteten Malaszewicze in Ostpolen. „Dort dauert es manchmal bis zu zwei Tage", berichtet er.

Bei einer China-Reise in Chongqing Ende April hatte Duisport-Vorstandsvorsitzender Erich Staake eine weitergehende Kooperation mit Yuxinou unterzeichnet. Außerdem wurde mit dem Terminalbetreiber PSA International aus Singapur vereinbart, gemeinsam Logistikareale im Hinterland und in den Seehäfen zu entwickeln. Dafür ist die Partnerschaft mit Yuxinou nützlich, weil Güterzüge der Chinesen auch in Südostasien bis nach Singapur verkehren.

Die Saisonspitze kommt erst noch in der zweiten Jahreshälfte.

Quelle: DVZ

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