In Düsseldorf eröffnet die erste öffentlich geförderte deutsch-chinesischsprachige Kita in Deutschland
2018/09/15

Von Daniel Schrader

Bilinguale Kindergärten werden allgemein mit der englischen Sprache verbunden. Doch jetzt gibt es in Düsseldorf auch ein deutsch-chinesisches Sprachangebot, um der wachsenden Anzahl an Familien aus diesem Kulturkreis gerecht zu werden. Damit ist die von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) getragene Kita „Pandabären“ die erste öffentlich geförderte chinesischsprachige Einrichtung dieser Art in ganz Deutschland.

Noch ist der Betrieb bei den Pandabären vergleichsweise ruhig. 16 Kinder zwischen einem und sechs Jahren toben derzeit über die Flure der Kindertagesstätte. In den kommenden Wochen soll sich diese Zahl auf 30 erhöhen. Unterteilt ist die Kita in zwei Gruppen: eine für Kinder im Alter bis drei Jahre, die andere für ältere Kinder. Daneben verfügt die Einrichtung über einen Außen- und Ruhebereich sowie einen Lernraum und ein Atelier, wo sich die Kinder nach Lust und Laune wissenschaftlich oder künstlerisch ausprobieren können.

Das Besondere an dem Konzept der Einrichtung „Pandabären“ ist jedoch das bilinguale Sprachkonzept: Denn neben Deutsch werden die Kinder auch Chinesisch lernen. Dadurch soll Kindern aus chinesischen Familien ermöglicht werden, beide Sprachen gleichberechtigt nebeneinander zu erlernen. Das Konzept setzt dabei auf eine Parallelität beider Sprachen. Während die Erzieher mit den Kindern Deutsch sprechen, ist in den Gruppen ein chinesischer Muttersprachler anwesend, der mit den Kindern ausschließlich Chinesisch sprechen wird. Zudem gibt es neben deutschsprachigen Kinderbüchern auch chinesischsprachige, aus denen den Kindern regelmäßig vorgelesen werden soll. Am Anfang beschränkt sich dieses Angebot noch auf zehn Stunden pro Woche, dieses soll jedoch langfristig auf 20 erhöht werden. Dieses Sprachangebot kostet die Eltern zusätzliche 100 Euro pro Monat.

Die Idee für dieses Projekt geht auf die Hanyuan-Schule zurück, die chinesischen Sprachunterricht in Düsseldorf anbietet. Im Zuge ihres Umzugs an die Münsterstraße präsentierte sie der Stadt ihre Idee einer zweisprachigen Kita auf dem Schulgelände. Dort wurde das Projekt im Anschluss zusammen mit der AWO umgesetzt. „Die Kita ist eine wichtige Ergänzung, damit sich chinesische Familien in Düsseldorf wohlfühlen“, sagte Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) bei der Eröffnung. Der ebenfalls anwesende chinesische Generalkonsul Haiyang Feng sprach von einem wichtigen Projekt deutsch-chinesischer Freundschaft. – Eine Beschreibung, die das Konzept treffend beschreibt. Denn anders, als man auf den ersten Blick denken mag, handelt es sich bei den Pandabären nicht um eine rein chinesische Einrichtung. Nur 50 Prozent der Kinder haben einen chinesischen Hintergrund. Damit sind sowohl Familien gemeint, die aus beruflichen Gründen nur für eine begrenzte Zeit in Düsseldorf sind, als auch chinesische Familien, die dauerhaft in der Landeshauptstadt wohnen. Die übrigen 50 Prozent sind Kinder deutscher Familien sowie Kinder mit Migrationshintergrund aus anderen Ländern als China. So setzt die Einrichtung von Anfang an auf eine Integration der Kinder und will den Sprösslingen auch interkulturelle Kompetenzen vermitteln. Das beinhaltet auch die Vermittlung deutscher und chinesischer Kultur an die Kinder. Doch wie bei vielen anderen Einrichtungen müssen interessierte Familien sich auch hier für einen Platz gedulden, denn die Wartelisten sind schon jetzt lang.

Neben den Pandabären gibt es in Düsseldorf noch 15 weitere bilinguale öffentliche Kitas mit insgesamt über 1100 Plätzen. Die große Mehrheit davon arbeitet mit Englisch als Zweitsprache, um Kindern das Erlernen der internationalen Verkehrssprache so früh wie möglich zu erleichtern. Jedoch gibt es mit dem EKO-Kindergarten in Oberkassel und der Kindertagesstätte Tannenhof in Vennhausen auch zwei Angebote mit den Zweitsprachen Japanisch und Russisch.

Quelle: Rheinische Post

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